Sonntag, 12. November 2017
Bagatelle 306 - Unfall
Jede (r) die oder der meine Bagatellen dann und wann liest, kann wissen dass ich gerne grenzüberschreitend Rad fahre. Das heißt: ab und zu überquere ich die deutsch-niederländische Landesgrenze (nur einige Hundert Meter von meiner Wohnung entfernt) und genieße der westfälisch-niederrheinische Landschaft. Oft radele ich Richtung Emmerich, Rees oder Wesel und besuche den alten Vater Rhein bevor dieser das holländische Rheindelta erreicht.

Meistens verläuft alles nach Plan. So nicht am Donnerstag, dem 19. Oktober diesen Jahres. So gegen 17.00 Uhr, als ich mich die Kleinstadt Isselburg näherte, und gerade dort wo der Radweg aufhörte, passierte es. Was genau kann ich Ihnen leider nicht erzählen. Denn als ich erwachte – es war inzwischen Freitag der 20. Oktober um 9.00 Uhr morgens – wurde mir allmählich klar dass ich in ein Gelsenkirchener Krankenhaus gelandet war. Und zwar wörtlich: ein Trauma Helikopter kommend aus Rheine hatte mich dorthin in die Intensivstation gebracht.

Heute, den 12. November, bin ich wieder zu Hause. Unglaublich, aber wahr. Vom 1. November an war ich erst noch 10 Tage in einem niederländischen Revalidationskrankenhaus. Und vorgestern sagte mir dort die diensthabende Ärztin, dass meine Kinder mich abholen möchten, damit ich zu Hause weiter revalidieren kann.

Einiges sollte ich allerdings nicht versäumen: nämlich meine tiefe Hochachtung auszudrücken für die Verpflegung und Ärzteschaft in den deutschen und niederländischen Krankenhäusern. Die sich so vortrefflich um mich gekümmert haben, dass ich jetzt schon wieder eine Bagatelle schreiben kann.




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Samstag, 7. Oktober 2017
Bagatelle 305 - Grenzüberschreitend
In diesen Tagen, wo der eine sich in seinem regionalen Territorium zurückzieht und fremde Einflüsse abwehrt, während der andere grenzüberschreitende Zusammenarbeiten sucht und fördert, geschieht in meinem kleinen Grenzdorf etwas Besonderes.

Sie müssen wissen, dass die Grenze zwischen der Bundesrepublik und den Niederlanden quer durch das Dorf läuft. Das war schon immer so. Die eine Seite gehörte zu den sieben vereinigten Niederlanden und die andere zu Deutschland, zuerst zum Bistum Münster und später zu Preussen. Der niederländische Teil nennt sich Dinxperlo; der Name des bundesdeutschen Teils ist Süderwick.

Jetzt ist die Grenze völlig offen: Sie können gehen und stehen wo Sie wollen. (In Kriegsjahren war das wohl anders. Da war die Grenze mit Beton und Stacheldraht abgesperrt. Heute sieht man nur an den kleinen gelben Zeichen auf der Straße wo die Grenze verlief und theoretisch immer noch verläuft.)

Die Menschen an beiden Seiten der Grenze haben sich immer redlich gut verstanden. Das gilt bis auf den heutigen Tag. Es gibt eine gemeinsame Polizeiwache, holländische Kindergärten die von deutschen Kindern besucht werden, ein niederländischer Unfallwagen bringt einen niederländischer Verwundeten ins Bocholter Krankenhaus. Es gibt sogar ein Wirtshaus, ein Brückenhaus gerade über der Grenze, das von zwei Seiten betreten und besucht werden kann.

Um die gute Zusammenarbeit zu zeigen haben die zwei Heimatvereine neulich ein neues Straßenschild entwerfen lassen. Wenn Sie jetzt von Ost oder West in das Dorf hineinfahren sehen Sie das neue Schild. In blau und weiß (die niederländische Schilder kennen diese Farben) das Wort Dinxpe; in gelb und schwarz lesen Sie rwick. Zusammen: Dinxperwick.

Die Europa-Behörde in Brüssel träumt von solch einer inner-europäischen Zusammenarbeit. Die Leute aus Dinxperwick machen es ihnen vor. Auf solch eine gute Zusammenarbeit kann man ruhig einen trinken.




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Samstag, 16. September 2017
Bagatelle 304 - Nachher ist man klüger
Ein kleines Gedicht fiel mir ein, als ich neulich Ihrer Bundeskanzlerin vor dem Bocholter Rathaus begegnete. Ein Gedicht bei den Reichstagswahlen 1920:


De Bundestagswahl 2017

Gott Dank! Nu is de Wahl vörby!
Was dat ne grote Wöhlery!
Was dat un Lopen un Rumoren!
Et klingt uns nu noch in de Ohren

Van all de Flugblaa, all de Reden –
Uns’ Nerven hebbt derunder leden.
De erste Redner spröck nich schlecht,
Foort sän de Lö: “Der Mann heff Recht!”

Dor kwamp nen andern Rechtsverfechter,
Dor sän se alll: “De heff noch rechter!”
Men aß sick nu nen Rednerin fünd,
De ’t Schmeicheln better noch verstünd

En sä: “Landlö sind noit de schlecht’sten!”
Sä wy: “Die Frau heff noch am recht’sten!
---
Et was en Glück, dat endlicks dann,
De vierundzwanzigsten September kwamp heran.
Ne Masse gaff’t, de’t noch nich wüssen:
Wähl ich diese Party of düssen?---
Nu is et ut, dat slimme Fechten!
Men wählden wy nu wall den Rechten?

v.d. L.


Recht hat er, dieser Dichter, der sich vor sehr langer Zeit beklagte über die Qual der Wahl. Das Problem ist zeit- und grenzenlos. Es spielt hier und heute wie in der Vergangenheit. Es spielt in meinem Land wo wir die Vorsitzenden der diversen Parteien an ihr Wahlversprechen erinnern. Es spielt in ihrem Lande wo man, wie bei uns, immer abwarten muß, ob der oder die Gewählte seinem/ihrem Wahlversprechen auch nach der Wahl treu bleibt.

Wie Sie bemerkt haben, ist das schöne Gedicht, das ich einigermaßen geändert habe ohne das Wichtigste zu entfernen, auf platt-düütsch. Weil ich bei guter Laune, zu Hause und in meiner Freizeit immer ein leicht vergleichbares Dialekt spreche, bilde ich mir ein daß ich das meiste verstehe. Der von mir hochgeachtete Dichter mit Namen v.d. L (von der Leinen vielleicht?) bedient sich des schönen, klangvollen Dialektes aus dem Niedersächsischem Nordhorn.


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Sonntag, 27. August 2017
Bagatelle 303 - Beugen und biegen
Jedenfalls für einen Ausländer ist die Biegung oder Konjugation deutscher Zeitwörter manchmal schwierig um nicht zu sagen außerordentlich komplex. (Wie dieser erste Satz.)
Nehmen wir zum Beispiel das Verb kaufen das, wenn ich denn Recht habe, wie folgt gebogen wird: kaufen, kaufte, gekauft. Kein Problem bis soweit. Schwieriger wird es schon bei den starken und sehr starken Verben: laufen, lief, gelaufen; und: treten, trat, getreten.

Fast unmöglich ist die Beugung (Biegung?) trennbare Zeitwörter. Ich komme darauf weil ich in letzter Zeit in den Genuss gekommen bin von einer auf neu-deutsch genannten E-Bike. Ein Fahrrad das mich bei Gegenwind und Schnee ins Gesicht unterstützt und mir das Radeln leicht macht. Jahrelang habe ich mich fahren lassen von einer hybriden Fahrradgattung: eine Mischung aus Touren- und Stadtrad. Leicht, umgänglich, mit 3 Mal 8 Schaltmöglichkeiten. Neulich aber kam ich nach einer Fahrradtour bei schlechtem Wetter gebrochen nach Hause und da lag die Entscheidung für ein mehr oder weniger elektrisch angetriebenes Rad vor der Hand.

Bei einer meiner ersten E-Bike Fahrten befiel mir die Frage nach der Konjugation. Die Biegung radfahren, radfuhren,radgefahren schien mir nicht ganz richtig. Sagt man: ich habe wohl eine Stunde radgefahren? Geradfahrt vielleicht? Oder heißt es: es wird dringend empfohlen täglich mindestens eine Stunde Rad zu fahren? Oder hilft man sich wenn man sagt: mindestens 20 KM hab’ ich heute geradelt?

In meiner Hochdeutschen Sprachlehre (Spruyt, 1961, 18. Auflage) fand ich noch einige interessante Beispiele wie man offenbar starke deutsche Zeitwörter zu beugen hat:

Infinitiv Imperfekt Konjunktiv Part. Perfekt

backen buk büke gebacken
bersten barst börste geborsten
dringen drang dränge gedrungen
leiden litt litte gelitten
fließen floß flösse geflossen
usw usw usw usw

Man möge sich vorstellen wie viel Zeit es mir gekostet hat um dies alles und noch vieles mehr früher mal auswendig lernen zu müssen. Zeit genug um viele Radtouren zu machen.

Manchmal sieht man während einer Radtour interessante Mitbürger wie sie sich gerne fotografieren lassen, sowie hier in Rees am Rhein.


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Sonntag, 23. Juli 2017
Bagatelle 302 - Handtuchhalter
Um 1550 war Arnt von Tricht (seine Ahnen stammten höchstwahrscheinlich aus Utrecht) einer von vielen Holzschnitzlern die sich am Niederrhein, so zwischen Nimwegen und Köln, über Kleve und Xanten, niedergelassen hatten. Unser Arnt hatte seine Ateliers in Kleve und Kalkar, wo er sich mit seinen Lehrlingen bemühte Kirchen mit ihren Holzschnittarbeiten zu verschönern. Was ihm wundervoll glückte, was wir heute noch staunend bejahen, wenn wir eines seiner Hochaltäre oder ein Heiligenbild aus feinem Eichenholz sehen.

Nun kann der Bogen nicht immer gespannt bleiben. So dachte der Arnt eines Tages. "Heute," sprach er zu sich selber, "heute wird etwas Profanes statt Sakrales hergestellt." Und machte sich an die Arbeit.

Eben heute dann sehen wir das Endprodukt vor unseren Augen. Es ist ein Handtuchhalter. Ein Stock sozusagen, den uns ein freundliches Dienstmädchen gerade vorhält. Just an diesem Moment kommt ihr Freier in die Küche geschlichen um sie gründlich zu verwöhnen. Zögernd wehrt das Mädchen ihn ab, aber wir sehen sofort, dass sie das nicht wirklich meint. Wie herrlich hat unser Holzschnittmeister diesen Augenblick eingefangen!

Wenn Sie mich fragen: ein Meisterwerk. Wir können es in einem Klever Museum bewundern. Es ist von hinten flach, so dass man es an der Wand aufhängen kann. Von vorne aber, wie es sich gehört, wohlgeformt und rundig. Nach so viel hundert Jahren immer noch viel zu schade um ein nasses Handtuch darauf zum trocknen aufzuhängen. Finde ich.



Nachgedanke: Achten Sie bitte auch auf die kleinen Musikanten welche den überwältigenden Eindruck mit ihrer Musik noch verstärken!




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Mittwoch, 14. Juni 2017
Bagatelle 301 - Mantelpott
Früher konnte man bei jedem Bauernhof in unserer Gegend einem Mantelpott begegnen. Das war ein großer, rundförmiger, gusseiserner Topf, etwa 50 Zentimeter tief und durchmesserlich um die 70 Zentimeter. Mit oben zwei Rundungen zum Anfassen. Zu dem Topf gehörte ein passender kleiner Holzofen mit einem Loch an der Oberseite worin der Topf haargenau passte. Diese Oberseite fungierte gleichsam als wärmende Umhüllung, als Mantel. Daher der Name: Mantelpott. Im Topf (‘Pott’ sagen wir mundartlich) wurde Wasser gekocht. Heißes Wasser zum Waschen schmutziger Arbeitskleidung; heißes Wasser zum Kochen von Schweinefutter (Kartoffelbrei); heißes Wasser das beim Schlachtfest in November benutzt wurde um die herrliche, selbstgemachte Blut- und Leberwurst zu kochen.

Nachdem die Mantelpottsfunktionen durch modernere Varianten ersetzt wurden, stand der Mantelpott (Ofen plus Topf) ungebraucht dar. Meistens verfielen sie allmählich den Göttern des rostigen Verfalls. Manchmal wurden sie für einen Apfel und ein Ei als Alteisen verkauft. Bei mir auf dem Hof bekam der Mantelpott einen Platz neben der kleinen Handpumpe im Baumgarten. Übrigens sollte man beim Transport zuerst das Wasser ablassen, denn auch im leeren Zustand ist der Pott unheimlich schwer.

Neulich, während einer Fahrradtour, entdeckte ich eine schöne und schönbedachte Neuverwendung eines Manteltopfes. Ich traf ihn in einer evangelischen Dorfkirche an einem Ort einige Kilometer über die Grenze, irgendwo in Westfalen also. Dort hatte man einen Mantelpott in ein richtiges Taufbecken umgetauft. Von einer örtlichen Künstlerin schön farbig verziert und bereichert mit einem neuen Untergestell.

Ich zeige Ihnen hier unten beide Mantelpötte. Den bei mir zu Hause und den in der Kirche. Das bei dem in der Kirche sich sogar der Martin Luther über diese Verwandlung wundert, ist deutlich zu sehen. (In diesem Lutherjahr haben die Jugendlichen in der Gemeinde sein Bildnis gemalt.) Aber sicherlich hätte er sich gefreut.








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Samstag, 27. Mai 2017
Bagatelle 300 - Gitterfenster
Das Haus das ich bis vor kurzem bewohnte, einen Bauernhof aus 1896, kennt einige ungewöhnlich merkwürdige Zimmer. Zum Beispiel die Alkovenkammer, ein wie ein Herz mitten im Haus gelegenes Schlafzimmer wo kein Außenlicht ans Tageslicht kommt, ein Raum worin der Großvater meiner Frau noch übernachtet hat.

Was Sie hier unten sehen, ist auch etwas Besonderes. Dies hier ist ein Kämmerlein mit einem kleinen von Gittern versehenen Fenster. Sonst ist es leer. Schön sauber zwar, vorzüglich angestrichen. Die Kammer hat eine Länge von zwei Meter dreißig und ist eins-vierzig breit. (Extra für Sie nachgemessen.) Ein Stück Bodenbedeckung, das irgendwo anders überflüssig wurde, ist das einzige Zeichen von Komfort.



Wie gesagt, das Zimmer ist leer. Was Sie dort beim Fenster an der Wand hängen sehen, ist der Gasmesser. Dies hätte natürlich eine Art Klosterzelle sein können, ein Ort wo der Herr Terra seine Meditationsstunden verbringt. Da liegen Sie aber falsch, denn der Terra, obwohl er dann und wann nachdenkt, hat überhaupt keine Zeit, Lust und Muße um zu meditieren.
Auch sehe ich nirgendswo eine Heizungsplatte oder einen Ofen. Wie soll das gehen, im Winter, wenn der schneidende Ostwind durch die Gegend (und bei uns auch durchs Haus) fegt? Am meisten verwirrend ist die Anwesenheit der Gitterstäbe vor dem Fenster. Hatten Sie in ihrem Haus je eine leere Kammer mit einem von einem Gitterzaun versehenen Fenster? Ist es dann doch eine Zelle, aber dann ein Ort wo man unartige und ungezogene Kinder oder böse Ein- und Verbrecher einsperrt?
Wissen Sie übrigens wie so eine Zelle in unserer Dialektsprache genannt wird: wir nennen es eine Kaste. Das ist nicht ein Schrank zum Aufbewahren nutzloser Gegenstände. Es sind auch nicht die untouchables in Indien, es ist in unserer Umgangssprache ein Ort wo verhaftete Übeltäter über ihre Sünden nachdenken.

Es wird Zeit das Geheimnis zu offenbaren. Die Kammer ist kein Raum für Kontemplation, weder für Verbrecherreue. Es ist eine Speisekammer. Nahrungsmittel und Sachen zur Nahrungsbereitung werden hier liebevoll gelagert und aufbewahrt. Nicht für ungefähr liegt die Kammer an der nordöstlichen Seite des Hauses, dort wo es Sommer und Winter am kältesten ist. So dass die Milch nicht sauer wird. Als das Haut gebaut wurde hatte man keine Ahnung von Tiefkühltruhen und Gefrierfächer. Obendrein fehlte das Geld dazu.

Bleibt die Frage nach den Gitterstäben. Eine kleine Kammer zum Aufbewahren von Nahrung: das verstehen wir. Aber wozu dient dieses Gitter? Oder fürchtet man vielleicht die Nachbarskatze die ab und zu nachschaut ob es etwas Leckeres zu holen gibt? Oder ein anderes Raubtier, wie der gefächerte ostniederländische Tiger. Der ist jetzt zwar ausgestorben, aber in 1896 beim Bau des Hauses gab es ihn noch in großer Zahl.





Epilog

Während ich dies schreibe, hat sich die kleine Vorratskammer wieder gefüllt. Nahrungsmittel, gefüllte Gläser, Töpfen und Pfannen lagern auf Gerüsten und Brettern. In nicht allzu langer Zeit ist unser Keller wieder voll. Proppenvoll.

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Donnerstag, 18. Mai 2017
Bagatelle 299 - Deutschprüfung
Bei uns in den Niederlanden bemühen sich dieser Tage, so von Mitte Mai bis Mitte Juni, tausende Schüler aus der Sekundarstufe die Abschlussprüfung so gut wie es nur kann zu bestehen. Wie Sie sagen: es sind spannende Zeiten.

Gestern war das Fach Deutsch an der Reihe. Ich kann Ihnen nicht das gesamte Examen zeigen, aber vielleicht hilft ein Beispiel, eine Kostprobe. Ein Deutschexamen für das höchste Niveau der Hauptschule (bei uns VMBO-T).
Die Schüler bekommen eine Anzahl Texte (in deutscher Sprache selbstverständlich) welche über verschiedene Themas handeln. Man kann davon ausgehen, dass die Texte allesamt interessant genug sind für die Zielgruppe; das ist vorher genügend recherchiert.
Über jeden Text werden Fragen gestellt, und zwar multiple-choice. Die Schüler lesen den Text und wählen die, nach ihrem Leseverständnis gemessen, beste Antwort. Die Schüler dürfen, wenn sie wollen, ihr Wörterbuch benutzen um z.B. einige ihnen unbekannte Begriffe zu klären.

Lesen Sie bitte das Beispiel hier unten. Der Text handelt über neue Formen des Unternehmens. Zu meinem und Ihrem Vergnügen lass ich beiseite was wohl die gute, richtige und zwar beste Antwortalternative ist. (Die gebe ich Ihnen in zwei Wochen.)

Einige Anmerkungen.
Nachher wurde wieder einmal deutlich, dass nicht der Inhalt der Texte und Fragen, sondern die Vielheit der Aufgaben das größte Problem war. Da waren sich die Dozenten und Schüler einig. Davon kann ich nur sagen: das vernünftig umgehen mit einer Zahl Texte innerhalb einer bestimmten Zeit kann man vorher üben. Woher dann jedes Jahr wieder der Ärger über die Anzahl und Länge der Texte?
Die Bemerkung, dass diese Art zu prüfen eher das Leseverständnispotential misst als die Deutschkenntnisse-an-sich, trifft zu. Aber das ist bei diesen schriftlichen Prüfungen, auch bei anderen Fächern, immer der Fall. Im Allgemeinen hat sich diese Prüfungsmethode (Texte + multiple-choice Fragen) als gut, ehrlich, praktisch und ziemlich valide bewiesen.
Wie (schwierig) fanden Dozenten und Schüler diesmal die Prüfung? Auf einer Skala von A (leicht), B (mwah), C (schwierig) und D (unmöglich) lag der Mittelwert etwa bei B (mwah = geht schon).
Man sollte auch noch bedenken, dass das Deutschexamen dieses Jahr an einem Tag fiel, als das Thermometer Mittags die 30 Grad erreichte. Ein tropischer Tag Mitte Mai!



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Freitag, 12. Mai 2017
Bagatelle 298 - Jugendliches Geleit
Dann und wann besuchen unser König Willem-Alexander und seine Gemahlin, die Königin Maxima, das niederländische Parlament, zum Beispiel bei der Eröffnung der neuen Session nach den Sommerferien. Das geschieht feierlich, immer am dritten Diensttag im September, dem sogenannten ꞌPrinjesdagꞌ, in einer Sitzung des Ersten und Zweiten Kammers. Ort der Versammlung ist der Rittersaal, ein uraltes Gebäude in Den Haag.

Nun kommt die königliche Gesellschaft nicht wie wir: auf dem Fahrrad, das wir rechts gegen die Mauer parken bevor wir den Befehlen der zuständigen Platzanweiser folgen. Nein, König samt Königin kommen in einer Goldenen Kutsche, von acht Pferden gezogen, mit vorne und hinten etliche Kutscher und Mitläufer. Wenn das königliche Paar sich aufmacht den Rittersaal zu betreten, kommt eine Geleitskommission, bestehend aus ausgewählten Parlamentarier, herangelaufen welche die teuren Gäste, wie es sich gehört, nach drinnen begleitet. Es ist nicht so dass König und Gemahlin alleine den Weg nicht wüssten. Es ist eine Sache von besonderer und passender Höflichkeit.

Vorige Woche war ich nach vielen Jahren der Abstinenz wieder einmal auf dem hiesigen Fußballfeld zu finden. Nicht um selber gegen den Ball zu treten, sondern um mich an das himmlische Spiel unserer Mannschaft zu erfreuen. Was mich am meisten freute war die Tatsache, dass beide Mannschaften bei ihrem Erscheinen aufs Feld (Kunstrasen!) wie WA und Maxima von einem richtigen Geleit begleitet wurde. Wie herrlich sah das aus: die erwachsenen Spieler mit an der Hand Spieler und Spielerinnen aus den Jugendmannschaften. Von denen einige noch rechtzeitig ihrer Mutter auf der Tribüne zuwinkten. Wie das Spiel nachher aus ausgehen werde: nach solch einem Aufzugsanfang kann nichts mehr schief gehen. Oder?





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Mittwoch, 12. April 2017
Bagatelle 297 - Ostern 2017
Mit diesen zwei Aufnahmen von einer Blaumeise die ein wunderschön bemaltes Osterei bestaunt,
und ein zwischen Palmsonntag und Ostersonntag passendes altes bocholt/westfälisches Lied, wobei Sie ꞌPaosenꞌ durch ꞌOsternꞌ ersetzen können, wünsche ich Ihnen allen frohe Ostern!


Palm-, Palmsunntag,
öwwer eenen Sunntag,
dann kriege wi-j ein Ei,
dann kriege wi-j ein Ei,
dann kriege wi-j ein lecker Paos-Ei.

Ein Ei, das ist kein Ei,
twee Ei ist ein halbes Ei,
dri-j Ei ist ein Paosei!






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Mittwoch, 5. April 2017
Bagatelle 296 - Frühstücksflocken


Wenn Sie ein herzhaftes, gesundes Frühstück lieben, kennen Sie vielleicht diesen lieben Herrn, dessen Bildnis sich auf der Verpackung befindet. Es ist ein amerikanischer Quaker (sprich: Kweker). Seine Vorfahren segelten vor dreihundert Jahren von England aus in die Neue Welt. Angekommen in die damals noch nicht Vereinigten Staaten, ließen sie sich in Pittsburgh (Pennsylvania) nieder, wo sie den Anbau von Getreide anfingen um daraus ihre berühmten Haferflocken zu bereiten. Dieselbe Flocken welche wir heutzutage benutzen damit wir unseren Gästen ein gesundes Haferflockenbreifrühstück offerieren können.

Nebenbei sei gesagt, dass die Quäker meine Sympathie tragen. Erstens weil sie eine anti-trump-artige, friedfertige, fromme, keusche und hilfsbereite Sekte bilden die vieles für ihre Mitbürger, denen es nicht so gut geht, tut. Und zweitens weil sie den Aufforderungen der weltlichen Obrigkeit mit Argwohn begegnen und notfalls ihren eigenen Gang gehen. Ein richtiger Quäker, so scheint mir, kann noch keine Fliege etwas antun, so sieht’s aus.

Anfangs bereiteten die Kwekers ihre Flocken ausschließlich aus Hafer. Neuerdings aber verwenden sie nicht weniger als vier Getreidesorten in ihren serials und zwar: Weizen, Mais, Reis und Hafer. Dazu kommen Zutaten wie Honig, Glucose, Salz, Vanille-Aroma und einige andere Sachen mit unaussprechbaren Namen. Auch Fetten kann man begegnen, sei es in sehr kleinen Mengen. Das Resultat ist, wie die Quaker es gerne zugeben, eine gesunde, köstliche, nahr- und schmackhafte Frühstücksmahlzeit.
(Frau Klothilde Nebenbuhler, laut Einsendebrief in der Raunener Rundschau, behauptet zwar, dass sie nach dem Essen einer Portion Quäker Viergetreideflockenbrei zahllose Kalorien hin und her laufend auf ihrem Tellerrand gesehen haben will. Das nun scheint mir schwer übertrieben.)




Jetzt etwas ganz anderes. Zweifellos wissen Sie, dass die westliche Menschheit zunehmend an Übergewicht leidet. Obesitas ist fast Volkskrankheit Nummer Eins. Wir essen zu viel und bewegen zu wenig. Und da kommt nun der Professor Franz Quadfliegs von der Uni aus Raunen an der Luhre und erklärt vehement als sei die Quaker-Company in Pittsburgh (PA) schuld an der zugenommenen Schwereleibigkeit. Wörtlich: ꞌWir verklagen die Quaker, weil sie ihren Viergetreideflockenbrei zu schmackhaft gemacht haben." In seinen Schriften beklagt er die Tatsache, dass das neue Frühstücksmahl so lecker ist, dass wir viel, viel zu viel, davon verzehren. Er geht soweit, dass er die Quakers gerichtlich aufgefordert hat die Produktion der Viergetreidesortenflocken zu drosseln und allmählich völlig zu unterbinden.

So beißt die Schlange im eigenen Schwanz. Wollten die Quaker uns einen Gefallen tun, indem sie unsere Flocken unweigerlich schmackhaft machen, kommt der Gesetzgeber und verbietet es ihnen. Die umgekehrte Welt, möchte ich meinen. Oder?

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Samstag, 18. März 2017
Bagatelle 295 - Tierwahl
Bei uns wurde diese Woche mal wieder gewählt. Die Wahl einer neuen Zweiten Kammer stand an. Nicht so wie bei Ihnen, wo sich zwei, höchstens vier oder fünf Parteien um die Gunst der Wähler streiten. Nein, bei uns waren es sage und schreibe achtundzwanzig (in Chiffren 28) Parteien mit runde tausend (sage 1000) Kandidaten. Das hat man davon wenn es keine 5%-Hürde gibt und jeder eine Partei gründen kann um einen oder mehrere Sitze aus dem 150 Sitzen zählenden Angebot einzunehmen.

Wie üblich begab ich mich am Morgen nach der Wahl zu meinem vorherigen Wohnsitz, zum alten Bauernhof, um mich mit den dort verbleibenden Tieren über den Wahlausgang zu unterhalten. Vor allem meine Pfauen, voran der alte Jeroen, beteiligten sich vehement an der Diskussion.

Einig waren wir uns über die Tatsache dass die Holländer gut gewählt hatten, indem sie dem Geert (Wilders meine ich) nicht so viele Stimmen gegeben hatten dass er sagen könnte: ich bin der größte. Nein, Populisten haben hier offenbar nichts zu suchen, das fand der Jeroen auch so.
Dass der rechts-liberale Mark Rutte (sprich: eine Mischung zwischen Rötte und Rütte) auch der nächste Prime-Minister sein wird, war unseres Erachtens unvermeidlich und fast selbstverständlich. Dass aber die niederländische Arbeiterpartei PvdA (sozusagen die holländische SPD) von 38 auf 9 Sitze zurückfiel hätte kein Wahrsager, sogar Jeroen nicht, ahnen können. "Das hat man davon," sagte Jeroen klug, "wenn man die Stammwähler vernachlässigt und liberalen Ideen nachläuft."

Eine der 28 Parteien nennt sich Partij voor de Dieren (Partei für die Tiere). Unglaublich, aber wahr. Es gibt sie tatsächlich: eine Partei für die Tiere. Jedenfalls bei uns. Bis diese Woche hatte die Partei zwei Sitze im Parlament. (Unter uns: die Abgeordneten der Partei für die Tiere, zwei talentierte Frauen, taten ihren Job ausgezeichnet.)
Ich frage Jeroen was er von dem guten Abschneiden der Partij voor de Dieren halte. (Die Partei kam von zwei auf fünf Sitzen.) Das hätte ich besser nicht fragen können. Jeroen verfiel fast in Rage als er antwortete: "Die Partei für die Tiere? Lächerlich so etwas. Weil sie uns, die wirklich Sachverständigen, nicht um Rat bitten. Wenn es zum Beispiel über das Tierwohlsein handelt: (jetzt mit fast überschlagender Stimme)

UNS WIRD NIEMALS ETWAS GEFRAGT!

Und das nennt sich eine Partei für die Tiere!"
Um seiner Überzeugung Kraft beizusetzen spreizte er seinen unglaublich schönen Schweif in die Höhe.

"Beruhige dich mal," sagte ich, "die nächste Wahl kommt bestimmt. Zum Beispiel die Gemeinderatswahl im kommenden Herbst. Du könntest es dann noch einmal versuchen."







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Montag, 20. Februar 2017
Bagatelle 294 - Wappentiere und anderes Getue
Dann und wann entbrennt hierzulande ein Streit über unsrige Nationalhymne, das niederländische Volkslied. Mit Namen: het Wilhelmus. Uralt, entstanden um 1580. Das hat man davon wenn ein Dichter namens Marnix van Sint Aldegonde sich aufmacht ein Loblied zu schreiben in 15 Versen auf Willem von Nassau, genauso viele Verse wie sein Name an Buchstaben zählt. Sie wissen: dieser Willem war derjenige Fürstenprinz von der Dillenburg der die Holländer vom spanischen Joch befreit hat, damals im 80-jährigen Krieg. (Entschuldigung für diese schlecht komponierten und unnötig komplizierten drei Anfangssätze, aber sie standen schon aufs Papier bevor ich es bemerkt hatte.)

Die Nationalhymnegegner beklagen vor allem die Referenz an die deutsche Abstammung des Prinzen von Oranien. Wenn im ersten Vers gesungen wird: " .. bin ich von deutschem Blut …" scheiden sich die Geister. Ein Viertel der Bevölkerung möchte aus historischen Gründen die Verweisung auf die deutsche Herkunft des Prinzen stehen lassen, ein Viertel ist vehement dagegen und wünscht sich eine andere, sprich modernere, Hymne und der Rest ist schweigend. (Entweder sie wissen nicht was sie singen oder es lässt ihnen kalt.) Ich gehöre zum größten Teil der ersten Gruppe an, aber mehr aus praktischen als aus ideologisch geprägten prinzipiellen Gründen. (Gerade für uns Senioren ist es nicht leicht sich eine neue Nationalhymne zu merken, zumal wir alle mindestens zwei Verse aus der alten Hymne auswendig mitsingen können.)

Eigentlich wollte ich mit Ihnen nicht über de Nationalhymne sondern über ein anderes Nationalsymbol sprechen. Nein, nicht die Fahne (Rot, Weiß und Blau), ist gemeint und auch nicht die Nationalfarbe oranje. Wenn sich überhaupt einem Nationalsymbol kritischen Äußerungen gefallen lassen muss, ist es der niederländische Löwe. Wenn Sie mich fragen: ein ekelhaftes Tier. Dieser von der Gicht geplagte Vierfüßler mit hölzernem Säbelchen und nur sieben stumpfhaften Pfeilen. Seht wie er sich stellt in seiner unnachahmlicher Pose – en profil – mit der Zunge aus dem Maul und dem Schwanz für einen Moment nicht zwischen sondern oberhalb der gekrümmten Hinterbeine. Ein Tier das sich stützt auf eine französische Unterschrift. Und das will unser nationales Wappentier sein!

Aber es kann noch schlimmer kommen. Einige Länder nah und fern kennen statt Löwe den Adler als nationales Wappentier. Was ist zum Beispiel Polen ohne rotweiß-Adler? Habsburg und die Donaumonarchie hatten sogar einen Doppeladler. Zwei Köpfe: einer blickt links Richtung SPD und Linke, der andere schielt CDU/CSU-rechtsrheinisch. Dann doch lieber ein bescheidener Vogel. Warum nicht der Zaunkönig als Wappentier?

Am besten wäre es vielleicht alles, ich wiederhole: álles Nationalgetue in die Alte Pinakothek zu verbannen. Keine heraldische Wappentiere mehr, keine schwingende Fahnen, kein scheinheiliger Löwe. Nur éin Zeichen wollen wir uns gönnen: eine kleine Schleife in der Farbe oranje am Kragen, die getragen wird wenn der König Geburtstag feiert. (Neben allen nicht-karnevalesken Orden.) Und die alte Nationalhymne wollen wir auch beibehalten. Wir werden sie künftig sanft, leise und schön mitsummen.





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Mittwoch, 1. Februar 2017
Bagatelle 293 - Alptraum an der Grenze
Einmal nach Wesel fahren: das habe ich seit Lebens immer gewollt. Sie wissen: Wesel am Rhein, am Niederrhein. Das ist von uns aus gesehen nicht sehr weit. Mit dem Fahrrad, zuerst die Bundesgrenze überquerend, dann über Rees den Rhein entlang weiter stromaufwärts, es dauert höchstens eine Stunde.

Sie hätten mich fragen können was ich überhaupt in Wesel zu suchen hatte. Dann hätte ich geantwortet: "Mal schauen ob der König von Wesel wirklich ein Esel ist, was immer wieder behauptet wird. Das liebe Fräulein im Kindergarten sagte es schon. Und dasselbe tat der Echobrunnen in der Nähe von Apeldoorn, wo wir mit dem Schulausflug oftmals landeten. Doch, wenn man - sich beugend über das Wasser des Brunnens - laut rief: "Was ist der König von Wesel?", dann hörte man laut und deutlich die Antwort: "Esel …, Esel …"

Heute morgen war es dann so weit. Ich hatte meinen alten Rucksack vollgepackt mit allerhand Esswaren, worunter Brötchen mit Käse und welche mit Schinken.
Sieben Uhr dreißig war es als ich mich auf den Weg machte und zehn Minuten später erreichte ich schon die Grenze. Und da fing das Missgeschick richtig an.

Was war der Fall? Deutsche Grenzkontrolleure, Douaniers genannt, hatten den Schlagbaum – der immer als Andenken in der Wiese herum stand – mitten auf den Weg gestellt.
Auf meine berechtigte Frage: "Kann jemand mir sagen was das zu bedeuten hat?" sprach ein schwer gewappneter Douanier: "Seit Donald J. Trump in den Vereinigten Staaten das Sagen hat, ist es auch hier bei uns nicht sicher. Deshalb ist die Grenze von heute an geschlossen für alle Reisende."
"Aber ich habe einen Reisepass, seht nur!" erwiderte ich. (Mir wurde allmählich ziemlich unheimlich. Sie wissen wie das geht: von den kleinen Zehen aus nach oben kriecht die Wut empor bis in die Haarspitzen.)
"Nein, du darfst nicht rein. Davon kann überhaupt keine Rede sein. Außerdem ist das Gültigkeitsdatum deines Reisepasses schon längst überschritten."

Da wurde ich so wütend, dass ich meinen Verstand verlor. Obwohl man mich kennt als ein sanfter, liebenswerter Mensch der keine Fliege etwas antut, geriet ich in solcher Rase dass ich den Douanier einen Schlag verpasste der ihn rücklings in den dort fließenden Strom landen ließ. Mit der Folge dass sich nun alle anwesende Douaniers auf mich stürzten. Undank meines tapferen Widerstandes wurde ich an Händen und Füßen gefesselt und in das nächstgelegene Wirtshaus gebracht, wo ich hinter Schloss und Riegel kam.

Just an dém Augenblick wurde ich wach wegen der Glocke der Dorfkirche die aus aller Macht zu lauten anfing. (Ob es die morgendliche Achtuhrglocke war oder die abendliche Neunuhrglocke vermag ich nicht zu sagen.) Triefnass vom Angstschweiß bemerkte ich, dass ich alles nur geträumt hatte. Es war ein Alptraum gewesen. Den Krach konnte man bis in Wesel hören.


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