Donnerstag, 16. Mai 2019
Bagatelle 334 - Geteiltes Doppelbild
"Doch," sagte mir meine katholische Nachbarin, zu deren Geburtstagsfeier ich gekommen war, "wir gingen im Wonnemonat Mai oft zur Wallfahrt, zu der Schmerzhaften Muttergottes zu A. Die Bildnis hängt in der Kirche zu S." (Sie müssen wissen: S. und A. sind verschiedene Orte.) Nach vielem Nachdenken und Hinterfragen über die Frage wieso die Schmerzhafte Mutter Gottes sowohl zu A. als auch zu S. gehören konnte, erfuhr ich, dass es um dieses Problem sehr viele wahre Geschichten, bedenkliche Aussagen und phantasievollen Erzählungen gibt. Die Sache ist ungefähr so.

Das Bild, von dem die Nachbarsfrau spricht, ist die Hälfte eines sogenanntes Marianums, eines Doppelbildnisses von Maria-mit-dem-Kinde. Im Mittelalter aus feinem Holz geschnitzt und deshalb uralt. In späteren Jahrhunderten frisch und fröhlich bemalt. Zwei Marienbildnisse mit, um es einmal unehrfurchtsvoll zu sagen, flachen Rücken. Die Gestalten hängen - rückwärts zu einander verbunden; es ist ein Doppelbildnis – meistens im Chor einer Kirche, so dass sie von allen Seiten gesehen und bewundert werden können. Die Nachbarsfrau kannte aber nur den éinen Teil dieser Zwiegestalt; meine Frage daher: wo ist aber die andere Hälfte?

So wie oft fängt es an mit Glaubensstreitereien. Das Doppelbild hat Jahrhunderte in der Kirche zu A. gehangen. Nach der Reformation hat es dort, wie auch in vielen anderen Orten, einen Bildersturm gegeben: alle Gegenstände die an den früheren katholischen Glauben erinnerten, wurden entfernt. So auch das Marianum, das Doppelbild. Wohin es kam, ungeteilt oder in zwei Teilen, ist ziemlich ungewiss. Die einen sagen dorthin, die anderen behaupten das Gegenteil. Sicher ist aber, dass beide Teile des Doppelbildes sich an einem bestimmten Moment im Besitz des Fürsten zu S. und S. kamen. Der Fürst (oder einer seiner Nachfolger) streicht über sein Herz und gibt éinen Teil des Doppelbildes dem Pfarrer aus S. der ihm freundlich aber streng darum bittet – es sei immer in seinem Besitz gewesen -. Den anderen Teil schenkt der Fürst den Nonnen im Kloster seiner Stadt, die sich so gut und treu um die Nöten und Sorgen der armen und kranken Mitschwestern und Mitbrüdern kümmern. Dort bekommt der Teil einen festen Platz im Klosterhospital.

Beide Teile werden umgeben von Erzählungen über Wunder und angebliche Wunder. Kranke die spontan genesen und ähnliche Sachen. Bemerkenswert ist die Geschichte aus 1955, also noch nicht so lange her. Damals habe sich ein grausames Gewitter über der Stadt entwickelt, sagen Augenzeugen. Im Hospital haben sich die Nonnen und das Pflegepersonal im Vorraum aufgehalten. Dann sei ein Kugelblitz durch die offene Außentür hereingeflogen und als er sich dem Bild der Schmerzhaften Mutter näherte sei er plötzlich umgekehrt, und demselben Weg zurück verfolgend, entwichen. Das ist doch was wunderbares, finden Sie auch nicht.

Heute kann man beide Teile sehen, bestaunen und, wenn man will, anbeten und eine Bitte hinterlegen. Der eine Teil in Deutschland im Hospital zu X; der andere Teil in den Niederlanden in der Kirche zu S. In Deutschland nennt man sie die Schmerzhafte Muttergottes; in Holland de Bedrukte Moeder Gods. Schmerzhaft und bedrückend, weil man im Laufe der Zeit so schlecht mit Ihr umgegangen ist. Sagt man.


Nachschrift: Hier die beiden Teile. Oben die Schmerzhafte Muttergottes im deutschen Hospital; darunter die niederländische Bedrukte Moeder Gods.





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Mittwoch, 17. April 2019
Bagatelle 333 - Ostereier
Jedes Jahr aufs Neue um diese Zeit wundere ich mich über meine Ostereier. Ich nehme sie vorsichtig aus der Vitrine wo sie das ganze Jahr über prunken, schüttele sie um zu erfahren ob ich ihre versteinerten Dotter noch höre. Aber vor allem genieße ich ihrer unübertroffenen Farbenpracht welche sie ausstrahlen.

Ich gebe es zu: ich schmücke mich mit fremden Federn. Denn es war mein künstlerisch veranlagter jüngerer Bruder der sie vor etwa vierzig Jahren produziert hat. Einige hat er ausgeblasen und danach bemalt. Andere hat er zuerst hart gekocht, abkühlen lassen und sie dann von wundervollen Motiven und Farben versehen. Nach seinem Ableben vor einigen Jahren kamen die Ostereier zu mir in die Vitrine. Dort werden sie das ganze Jahr von Besuchern und mir bestaunt und bewundert. Vor allem in der Karwoche und zu Ostern bekommen sie regen Beifall.

Auch lassen sie sich gut verwenden, indem ich Ihnen allen Frohe Ostern wünsche, was ich hierbei gerne tue.








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Donnerstag, 11. April 2019
Bagatelle 332 - Ordensschwester im Bilde
Wenn Sie mich fragen: ich weiß noch genau wann und wo ich das Foto der Ordensschwester gemacht habe. Es war 2017, im Juli, etwa 17.00 Uhr, während einer meiner Radtouren jenseits der Grenze. Es war in einem Schloss, in einer Schlosskapelle, wo ich dieser Schwester begegnete. Ich war die Kapelle hinein gegangen, war der einzige Besucher, und hörte zu wie eine mir unbekannte Person die Orgel spielte: leise und ruhig. Dann hörte ich Fußstapfen auf der Treppe und da erschien die Organistin, eine Ordensschwester.

Wir kamen ins Gespräch und als wir uns verabschiedeten bat ich um Erlaubnis ein Foto von ihr zu machen. Sie stimmte zu und Stunden später, als ich längst wieder zu Hause war, sah ich auf meinem Komputerbildschirm, daß das Bild eigentlich wohl gelungen war. Einige Tage später beschloss ich eine Vergrößerung machen zu lassen.

Jetzt ist es 2019. Vor einigen Tagen kam mir der Gedanke ob das Bild der abgebildeten Ordensschwester eher der Abgebildeten selber gehören sollte, statt mir. Bei schönem Aprilwetter radelte ich, inklusive Vergrößerung, deshalb erneut Richtung Südosten. Nach zwei Stunden erreichte ich das Schloss, wo die Zeit still gestanden schien. Es brauchte nicht viel Nachfrage um die Schwester, die gerade ihr Mittagsschläfchen beendet hatte, zu finden. Sie kannte mich nicht wieder, aber das Bild fand sie herrlich und nahm es dankend zu sich.

Viel länger als das erste Mal haben wir mit einander gesprochen. Sie erzählte mir ihren Lebenslauf – als 16-jähriges Mädchen in den Nachkriegsjahren von ihrer Großmutter (die Eltern waren im Krieg gestorben) ins Kloster geschickt und als Ordensschwester die DDR-Zeit mit erlebt und schließlich in den Westen gelandet -. Zusammen gingen wir in den Schlosspark, weil, sagte sie, die Blüten der Magnolie so herrlich aussahen.

Nein, ich werde Ihnen Name und Wohnort der Ordensschwester nicht verraten. Sehen Sie sich nur das Bild an. Zwar alt, vorsichtig und behutsam schaut sie uns an, aber ihre Augen verraten dass sie vollkommen auf der Höhe ist.



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Donnerstag, 4. April 2019
Bagatelle 331 - Zungenflöte
Der Hochschuldirektor, dessen hochschulischen Ausbildungsstätte ich vor nun schon sehr vielen Jahren besuchte, hieß mit Nachnamen Roosjen. Auf Deutsch: Röslein. (Doch, das auf der Heide.) Seinen Vornamen wusste man nicht, nur dass der mit F. anfing. Wahrscheinlich Frits, Frederik oder Franz-Ferdinand, wer weiß. Den Herrn Roosjen mochten wir alle sehr, besonders weil er während seines Französischunterricht oft anfing musikalische Geschichten zu erzählen. Wegen ihn kenne ich jetzt noch einige Chansons auswendig.
Direktor Roosjen war auch derjenige der an einem Dienstag Anfang Mai jedes Jahres uns mitteilte, dass der Unterricht ab zehn Uhr ausfiele, weil Maimarkt war. Wir alle freuten uns sehr und zogen dahin.

Etwas seitlich, also nicht in der Menge Kauflustigen, befand sich der stillere, angenehmere Teil des Maimarktes. Dort hatte ein Kaufmann – Künstlertyp mit Künstlerhut – seine Ware – noch eingepackt und versiegelt – ausgestellt. Inmitten stand ein alles Koffergrammophon. Als drei Zuschauer verwundert stehen blieben, nahm der Kaufmann vorsichtig eine 78-er Schellackplatte, legte die auf das Grammophon, drehte an dem Schlinger, leitete die Nadel in die erste Grube: und da klang wunderschöne Musik. Etwas wienerisches so zu hören: Wiener Blut oder ähnliches. Plötzlich nahm der Grammophonmann aus einer Kiste eine einfache Pan-Flöte – ein drei-eckiges Instrument aus Bambus – und spielte begleitet von seinem Grammophon alle Noten die er auf seiner Flöte finden konnte. Herrlich und sehr musikalisch. Dann wechselte er seine Pan-Flöte für einen metallenen Irischen whistle und spielte fröhlich weiter. Schließlich nahm er eine Zungenflöte, Sie wissen: ein einfaches Stückchen Plastik, legte die auf seine Zunge und plötzlich klang dort die herrlichste Vogelmusik die man sich nur denken kann. Passend zu dem Schwalben im Wienerwald.

Allmählich waren mindestens zwanzig Leute gekommen zuzuhören. Weil der Kaufmann nicht für umsonst gekommen war, begann er jetzt Musikinstrumente zu verkaufen. Kleine Flöten und anderes mehr. Auch Zungenflöten. Für fünfzig Cents das Stück und drei Stücks für einen Gulden. Kein Geld.

Doch, es gibt sie noch. Vor einigen Jahren sah ich auf einer sommerlichen Braderie (= Markt mit viel Bratwurst) einen Kaufmann der nebst Spielsachen auch Zungenflöten verkaufte. Jetzt für einen Euro das Stück; drei Stück kosteten zwei Euro. Wie üblich.
Ich kaufte zwei und kann jetzt Ihnen, wenn Sie mal vorbeikommen, wieder die schönste Vogeltöne hören lassen. Schwalbengezwitscher oder einen Finkenschlag. Wie es Euch gefällt.



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Montag, 11. März 2019
Bagatelle 330 - Gruselig grauenhaft
Fällt Ihnen auch nicht auf, dass es viele fürchterliche und furchterregende Wörter gibt welche mit den Buchstaben GR… anfangen? Ein kleiner flüchtiger Blick ins Wörterbuch genügt: gram, grauenhaft, grübeln, Gräueltat, Griesgram, usw.

Vorige Woche war bei uns die Woche der Muttersprache mit wie immer viel Aufmerksamkeit für das regionale,niedersächsische Dialekt. Wie jedes Jahr gab es auch ein Thema: diesmal war es die Gruselgeschichte. Da fiel es mir nicht schwer einen Beitrag zu schreiben über die Relation zwischen dem Fürchterlichen in Texten und den Anfangsbuchstaben GR…

Heute dann erschien ein Büchlein namens "Flonkergood" mit einigen ausgewählten Einsendungen. Jede(r) Kaufer(in) eines Buches in der Dialektsprache bekam es umsonst dazu. Wie immer.

Hier unten zeige ich Ihnen meinen Beitrag. Es wird Ihnen nicht schwer fallen ihn zu lesen und ihn zu verstehen. Leser(innen) dieser Bagatelle sind ja immer Sprachgewandt und Sprachwunder.

Abschließend ein wohlgemeintes Grußwort, das – alles zum Trotz – nichts Schauderhaftes oder Gruseliges in sich hat. Grüß Gott!



Gr….

Völt ow dat ook niet op? Dat t’r völle weurde in ’t nedersaksisch bunt, allemaole met de klank GR… veuran, die te maken hebt met angst en vrees? Zoas: groezelen, gruwelen en griezelen. D’r bunt t’r nog meer, niet allene in onze streektaal, ook in andere talen. Een heel afschuwwekkend grof woord is ’t Duutse ꞌgrausamꞌ.
Al dizze weurde begint met de klankcombinatie GR…. I-j zollen d’r bange van worden. Net as veur den leeuw den ow in Artis goeiendag zeg met een vreselek GR…!

Nem ook ’t veurbeeld van de vrouw op de tv, die, veur de gein en met een blinddoek veur de ogen, best een glibberege gifslange uut een kisjen wög te halen. "O, ’t groezelt mi-j!" zeg mien buurvrouw tegen mi-j a’w ’t t’r aover hebt, "de groezels zollen ow jo aover de rugge lopen!"

Dezelfde buurvrouw zeg, at ze weer een betjen tut röst is ekommen, en op de televisie een bosbrand zut in een heit Spanje: "Gruwelek, gruwelek, i-j mot t’r niet an denken um daor te wonen."
"Stel ow ’s an!" zeg eur dochter die toevalleg heuren wat moeder zei. "De luu hebt daor zelf veur ekaozen. Dan hadden ze maor argens anders motten gaon wonen. Hier bi-j ons an d’n Olden Iessel beveurbeeld. Of niet dan?"
"Zeg i-j maor niks" antwoordt mien buurvrouw die niet op eur mundjen is evallen, "wat zei i-j korts toen d’r ’s aovends een vrömden keerl langs ons huus liep? O, wat een griezel!"

Nae, weurde met gr… veuran mo’j manges niet te vake in de mond nemmen. Eigelek is d’r maor één woord met gr.. veuran dat ons goed in de oorne klunk. Dat is ’t woord ꞌgräölenꞌ. Heimelijk of besmuikt glimlachen beteikent dat in ’t zogezegde Standaard Nederlands. Wi’j gräölt bi-j ’t veuruutzicht da’w op een heiten zommerdag genieten könt van een komme watergruwel. Sommege luu vindt ’t maor een raar grei, maor ik lust d’r wel pap van.



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Montag, 4. Februar 2019
Bagatelle 329 - Zufällige Lehrsätze
Wie es bei Ihnen üblich ist, weiß ich nicht, aber bei uns in den Niederlanden ist es Sitte dass man einer Dissertation an einer Universität ein Blatt beifügt mit einigen diskussionsträchtigen Behauptungen oder Lehrsätzen. Die Prüfungskommission, aus Professoren, Lektoren und sonstigen Sachverständigen bestehend, kann dem angehenden Doktor auf ihre oder seine Kenntnisse der Doktorarbeit betreffend befragen. Sie kann auch einen der vorgestellten Lehrsätze auf seine Haltbarkeit überprüfen.

Im Jahre 1930 verfasste eine Dame an der Universität zu Amsterdam eine Doktorarbeit unter dem Titel:
Hermann Löns, der Mensch und der Dichter in seiner volklichen Gebundenheit. Die Dame war damals Deutschlehrerin an einem berühmten Amsterdamer Gymnasium.
Einer ihrer beigefügten Lehrsätze lautete, frei übersetzt:

Nebst allen unschätzbaren Verdienste der Brüder Grimm ist es aber zu bedauern, dass ihre Sagen und Märchen ins Hochdeutsch verfasst sind und nicht in der plattdeutschen Sprache in der sie erzählt wurden.

Sie mögen, wie ich, diesem Lehrsatz zustimmen, aber es geht mir um etwas anderes. Es kann doch kein Zufall sein dass ich dieses Büchlein, in deutscher Sprache und gedruckt in gotischen Schriftzeichen, wo der Autor, von der ich niemals gehört hatte, die aber denselben Nachnamen wie ich trägt – und dennoch nicht mit mir verwandt ist - und die geboren ist in demselben kleinen Grenzdorf wo ich aufgewachsen bin? Ich sah das Buch als ich auf einem Kunst-und-Krempel Markt zufälligerweise durch einen Stapel alte Schriften blätterte.
Was meinen Sie: Zufall oder nicht?








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Freitag, 11. Januar 2019
Bagatelle 328 - Hoch- und niedrig Wasser
Vor kaum Monaten, so kurz ist’s her, war das Rheinwasser so niedrig, dass die Schifffahrt Mühe hatte – auch halbwegs geladen – ihr Heimziel zu erreichen. Die Pegelstände waren so niedrig wie nie zuvor. Ich sah es, als ich während einer Radtour die Rheinbrücke bei Rees überquerte, mitten auf der Brücke anhielt, die Tiefebene fotografierte und mich sehr verwunderte.

Ein wunderbarer Herbsttag war es, dieser goldener Oktobernachmittag. Mitten auf der Brücke sah ich Richtung Ost die Kleinstadt Rees; in die andere Richtung, nach Westen, floss der Rhein leise und ruhig dahin. Das heißt: das noch im Flussbett verbleibende Restwasser. Ich merkte auch sofort, dass je weniger das Wasser, je kürzer die Bagatellsätze werden.

Jetzt, Anfang des neuen Jahres, hat sich die Rheinwasserlage ziemlich normalisiert. Und auch die Sätze haben wieder ihre gewöhnliche Länge. Jetzt aber sehe ich, wenn die ARD uns benachrichtigt, wie sich die Schneemassen in Bayern und sonstigen Alpenregionen häufen. Der örtliche Bürgermeister meldet, dass in seinem Salzburger Land in einigen Tagen so viel Schneekristalle eingetroffen sind wie sonst in drei Monaten. Wie soll das enden?
So fragen sich auch die Urlauber die notwendigerweise Ihre Ferien um einige Tage verlängern müssen weil sie das Dorf nicht verlassen können. Und wir, die wir auf einer Rheinbrücke stehen, fragen besorgt was demnächst geschieht wenn all dieser Schnee zu uns an den Unterrhein kommt.

Der Klimawandel, so spricht der Experte, besorgt uns übergroße Schwankungen in der Wetterlage. Die eine Woche klagen die Schiffer über die niedrigen Wasserpegelstände und einige Wochen später sorgt der Schneeschmelz vielleicht für rheinisches Hochwasser.





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Mittwoch, 19. Dezember 2018
Bagatelle 327 - Lied ohne Worte

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Samstag, 24. November 2018
Bagatelle 326 - Goodbye Bach revisited
Was ist wahr? Wem kann man überhaupt heute noch trauen? Was bedeuten uns Begriffe wie Ehrlichkeit und Wahrheit? Fragen über Fragen. In einer Zeit wo uns von allen Seiten fake-news bedroht.

Heute vor fast zehn Jahren, im Oktober 2009 schrieb ich eine Bagatelle unter dem Titel Goodby Bach. (Es waren die Zeiten von Goodbye Lenin … Wenn Sie denn unbedingt wollen, können Sie die originelle Bagatelle suchen und lesen.) Aber, um Ihnen die Suchmühe zu ersparen und Ihnen die nachfolgende Geschichte zu erläutern lass ich sie hier noch einmal folgen.


Bagatelle XXI - Goodbye Bach

Allmählich erfahren wir hier im Ausland von den Normalitäten in der früheren DDR. Die meisten schroffen Unterschiede waren uns schon bekannt, aber jetzt hören wir auch wie sich drüben das übliche, normale Alltagsleben abspielte. So erzählt man uns, dass in Leipzig und weite Umgebung das Interesse für die menschliche Physiologie, und insbesondere für die Physiognomie, groß ist. Man interessiere sich sehr für die plastische Chirurgie und alle andere Möglichkeiten den menschlichen Körper im positiven Sinne zu beeinflussen.

So ist es kein Wunder dass das Auge von Dr. Rosemarie Wassehichhier auf den Eisenacher Ziegelleger Josef Kubitschka traf. Dr. Rosemarie ist von Hause aus Anatom Pathologe. Sie weiß alles vom menschlichen Gesicht, kennt alle Gesichtsknochen, Gesichtsmuskeln und Gesichtsnerven bei ihren Namen. Ihr fällt auf das der Ziegelleger Josef sich dem großen Eisenacher Johann Sebastian Bach sehr ähnelt. Unglaublich, wie sich die Bilder gleichen!



Hier oben sehen wir Josef, den Ziegelleger. Das Bild ist aus den 70er Jahren des vorigen, 20. Jahrhunderts. Auffallend ist der damals schon moderne, westliche Haarschnitt, auch jetzt noch, zwanzig Jahre nach der Wende. Daraus geht mal wieder hervor wie fortschrittlich die Ziegelleger drüben waren. Dr. Rosemarie bittet Josef um Erlaubnis von seinem noch lebenden Gesicht eine Todesmaske anzufertigen: sie ist Experte auf diesem Gebiet. So gesagt und getan. Und sobald wir Josef von einer Bachschen Perücke versehen, sehen wir den großen Musiker in lebendigen Leibe vor uns. So hat er denn ausgesehen. Bilder auf Leinwand hatten wir schon. Jetzt erscheint und der große Komponist Bach dreidimensional!






Hunderte haben die Ausstellung am forensischen Institut der Eisenacher Universität besucht, wo sie sich staunend um Bach versammelten. Manche Besucher waren außer sich und sangen spontan: Jauchzet, frohlocket! Andere sagten schmunzelnd: Aber, ist das nicht Josef der Ziegelleger? Sind wir alle blind oder was? Sie fingen an zu weinen und sangen betrübt: Wir setzen uns mit Tränen nieder.
Ich selber der alles sah, fühlte ihren Schmerz und summte leise: Blute nur du liebes Herz. Worauf alle sich in dem Schlusschor vereinigten: Ruhe sanfte, sanfte Ruh’.


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Soweit die alte Geschichte. Und was lese ich heute in meiner treuen Morgenzeitung? (Trouw, 23 November 2018)
Die Geschichte war frei erfunden! Tatsache ist dass es die Dr. Wassehichhier gar nicht gegeben hat. Und der sogenannte Ziegelleger Josef ist ein freimütiger Einfall. Tatsache ist auch dass eine gewisse Dr. Caroline Wilkinson (aus Liverpool, von woher auch die Beatles stammen, also muss es wohl wahr sein) mit digitalen und andersgearteten Mitteln von Bach’s Scheitel ein richtiges Gesicht hergestellt hat. So hat der berühmte Bach also ausgesehen.
Sehen Sie die Metamorphose hier unten.





Aber sagen Sie bitte selbst: das ist doch der Josef, der Ziegelleger den wir dort schließlich sehen? Oder irre ich mich? Wieder ein Fall von fake-news? Kann man dann niemandem mehr trauen?

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Freitag, 26. Oktober 2018
Bagatelle 325 - Orden
Hier, in den Niederlanden, bekommen Leute die sich der Gesellschaft gegenüber verdienstvoll benommen haben manchmal einen Orden. Man wird zum Beispiel Mitglied in dem Orden von Oranje-Nassau. Oder Ritter, sogar Offizier und in seltenen Fällen Commandeur. Wenn das noch nicht genügen sollte, gibt es einen noch höheren Orden: den Orden des Niederländischen Löwen zum Beispiel. Oft frage ich mich was man überhaupt geleistet haben muss um solch eine Ehre zu erlangen.

Denn eine Ehre ist es, zweifelsfrei. Verdient oder nicht verdient: der zukünftige Träger selbst und seine oder ihre Familie betrachtet es immer als eine Ehre die man nicht verachten soll. In einigen Fällen kommt es zwar vor dass der Betroffene die Ehrung mittels eines Ordens verweigert, aber das ist selten der Fall.

Eine Ordensverleihung geschieht am Königstag, den 27. April. Im Namen des Königs verleiht ein hoher Amtsträger – meistens der Bürgermeister – feierlich den Orden. Ein Ordenszeichen wird auf den Sonntagsanzug befestigt und von heute an kann jedermann sehen: diese Frau, dieser Mann, ist Mitglied eines ehrenhaften Orden. Die Familie, nahe Verwandten und Kollegen, welche meistens im Voraus benachrichtigt waren dass so etwas passieren würde, im Gegensatz zu dem Betroffenen der von nichts weiß, klatschen Beifall und gratulieren herzlich.

Wie bekommt man so einen Orden? Auf Anfrage, auf Gesuchen? Nein, man muss vorgeschlagen werden. Von einer Behörde, von einer der Gesellschaft nützlichen Vereinigung, von einer Gruppe einflussreichen Gönnern, von irgendwem. Selber kann man nichts machen; nur gelassen und geduldig abwarten ob je etwas kommt.

Weil keiner auf dieser Welt auch mal je die Neigung hat mich persönlich für einen Orden vorzuschlagen – und ich ihn ehrlich gesagt auch nicht verdiene – habe ich mir selbst, nun vor fast neun Jahren schon, ein Zeugnis zusammengestellt. Denn jede(r) verdient es mindestens einmal im Leben zu erfahren, dass man ihr oder ihm für alles Getane Respekt bezeugt. Finden Sie nicht auch?

Ein laut ausgesprochener Lob oder eine Lobhudelei verflüchtigt in der Zeit; ein munteres Schulterklopfen wird auf Dauer nicht mehr gefühlt; der Kuss als Zeichen für Dank und Anerkennung trocknet aus: man braucht etwas dauerhaftes Festes. Daher das hier unten abgebildete Zeugnis in Form einer richtigen Urkunde. Zwar ist die Ordensmitgliedschaft vorläufig und provisorisch, also mit vielen Vorbehalten bedacht, aber dennoch.
Der Text lautet:


K A B I N E T T D E S K Ö N I G S


U R K U N D E

wegen seiner großen Verdienste für das gesamte Leservolk und gleichfalls wegen seiner zahllosen sympathischen, tiefdurchdachten, semi- und quasi-intellektuellen, frei-erfundenen, krankhaften, mit unzähligen Fehlern behafteten, heimatverbundenen, schlecht geschriebenen, weder langweilig noch spannenden, geschmackslosen, amüsanten und tiefsinnigen Bagatellen haben Seine Majestät

GERUHT

den Herrn Dr. Dr.h.c. T(erra) Acidus zu ernennen als vorläufiges und provisorisches Mitglied des Oranje Schriftstellers Orden

ꞌs-Gravenhage, den 29. Februar 2012



Sie werden verstehen, dass diese Urkunde einen Ehrenplatz bei mir an der Wand bekommen hat. Was man auch von dieser Ehrung halten mag, man kann sie mir niemals nehmen!


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Freitag, 19. Oktober 2018
Bagatelle 324 - Nachlese
Es gibt offenbar, sogar in alles was wir essen, zeitlich und inhaltlich gesehen, Unterschiede und Gradierungen. Ich meine, nach diesem ersten fast unverständlichen Anfangssatz, die Verteilung in Vor-, Haupt- und Nachspeise. Vorspeisen dienen dazu die Geschmackssinne in eine gute Stimmung zu versetzen, während die Nachspeise versucht die genannten Sinne nach allen Strapazen in der Hauptspeise wieder einigermaßen zu Ruhe kommen zu lassen.

Lasst uns, so schlage ich vor, heute mal den Scheinwerfer auf die Nachspeise richten. Nicht auf das Hauptgericht (bekommt so-wie-so zu viel Aufmerksamkeit) und auch nicht auf die Vorspeise welche nicht zu Unrecht von Fernsehköchen mit komisch/weißen Mützen Amüsen genannt werden. Höchste Zeit um der Frage nachzugehen warum wohl für uns und vor allem für junge Esser die Nachspeise, und besonders der Pudding, Höhepunkt eines Festessens ist.

Der schmackhafteste Pudding ist zweifellos der Selbstgemachte. Nicht die in Plastik gehüllte schwabbelige, ekel riechende Masse welche uns die Edeka und andere Supermärkte anbieten. Mit all diesen kleingedruckten Zutaten und Beigaben welche offenbar den Geschmack vertiefen sollen, in Wirklichkeit aber das Nachspeisefest verderben. Selber die Zutaten wählen, präparieren, vorbereiten und kochen, das ist die wahre Kunst.

Kehren wir zurück zu den Zeiten wo der Sonntagspudding eigenhändig von der Mutter bereitet wurde. In meinem Fall waren das zwei Sorten: der Schokoladenpudding und der Gelatinepudding.
Der erste, aus reinem Kakao und nicht aus zerquetschten Schokoladentafeln, schmolz auf der Zunge. Stunden lang blieb der herrliche Geschmack im Gaumen hängen.
Dann der Gelatinepudding, laut eigener Aussage meiner Mutter die Krone auf ihrer Nachspeisebereitungsleistung. Dieser Pudding hatte zwei Grundzüge. Er war erstens glasig (man konnte förmlich durch den Pudding hindurch auf der gegenüber an der Wand hängenden Uhr sehen wie spät die Stunde geschlagen hatte) und zweitens sehr feste. Man konnte, wenn man wollte, ihn mit Gabel und Messer essen. Er schmeckte wie er aussah: flach und durchsichtig.

Sprechend über Pudding möchte ich nicht versäumen Ihnen mitzuteilen welchen Pudding ein lieber Kollege aus Wien bevorzugte wenn er in die Niederlande kam. Das war der Himmel-und Erde-Pudding, (auf Holländisch: dubbelvla): Schokolade + Vanille. Es gibt ihn in éinem Karton, aber besser ist es wenn man zwei Kartons (einer Schokolade und einer Vanille) zusammen und gleichzeitig in den Teller strömen lässt. Wenn der Kollege zurück nach Hause in Österreich fuhr, hatte er immer einige Kartons mit Doppelpudding dabei.

Meine Auswahl, wollen Sie wissen? Auch ich liebe den Doppelpudding. Weil man darin mit einem Löffel solche fantastischen Figuren drehen kann. Sowohl positiv als auch negativ. Sehen Sie selbst.




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Dienstag, 18. September 2018
Bagatelle 323 - Lebendige Grabsteine (II)
Vorab: Für ein besseres Verständnis lohnt es sich auch die vorherige Bagatelle 322 gelesen zu haben.


Wo waren wir geblieben? Richtig, auf dem Friedhof hinter der Grabkapelle, wo die frühere Fürsten von Schloss Anholt ihre letzte Ruhestätte fanden. Wir sahen einen Grabstein dessen Aufschrift uns verriet dass hier – alleine und etwas zur Seite – eine Erzherzogin begraben war.

Isabelle Marie heißt sie. Die Frau mit dem wunderschönen Namen ist, so lesen wir auf dem Grabstein, nicht nur Erzherzogin von Österreich, sondern auch Prinzessin von Ungarn. Geboren im Jahre 1888 in was damals Preßburg und jetzt Bratislava heißt. Heute also in der Slowakei. Die Frage drängt sich auf: warum liegt sie hier so alleine? Und was ist ihre Beziehung zu der fürstlichen Adelsfamilie auf Schloss Anholt? Wer war diese Isabelle überhaupt?

Im Internet-Zeitalter lässt sich, nach einigem Suchen allerdings, vieles herausfinden. Die Geburt der jungen Prinzessin 1888 war laut Presseberichten ein großes Fest. Vier Tage nach ihrer Geburt wurde die Isabelle im weißen Saal des herzoglichen Palastes zu Preßburg feierlich getauft.
Die wichtigste Nachricht stammt aus 1912. Dann heiratete die Isabelle Marie einen Enkel des großen Kaisers Franz Josef. Der Enkel hieß Prinz Georg. Das Fest fand statt im Wiener Schloss Schönbrunn. Anscheinend eine richtige high-society Hochzeit. Die Presse meldete, dass der Kaiser den ganzen Tag anwesend gewesen sei, und das wollte, auch damals, was heißen.

Doch was schreibt die Wiener Presse ein Jahr später? Nicht auf der Frontpagina zwar, aber unübersehbar auf Seite so-und-soviel und kleingedruckt? Die Ehe zwischen Erbprinz Georg und der Prinzessin Isabelle Marie sei offiziell, laut Gesetz und auch laut kirchlichem Recht, für Null und Nichtig erklärt worden. Die Ehe war niemals um sozusagen in praxis vollzogen worden, und dann wissen wir schon was eigentlich gemeint ist. Der Prinz Georg wurde später Priester, zog in den Vatikan und wurde dort Bibliothekar und Domherr von Sankt Peter.

Die Isabelle Marie blieb ihr ganzes Leben unverheiratet und kinderlos. Man schreibt, dass sie Krankenpflegerin wurde und verwundete Soldaten im ersten Weltkrieg betreute. Dort scheint sie für eine kurze Zeit mit einem Oberarzt verlobt gewesen zu sein; nur war dieser kommende Gatte dem Kaiser nicht gut genug, worauf er (der Kaiser) die Verbindung ablehnte. Im Alter von 85 Jahren verstarb die Isabelle Marie irgendwo in der Schweiz. Ihr letzter Wunsch war in der Nähe ihrer Schwester Marie Christina, die mit dem Fürsten zu Salm-Salm verheiratet war, in Anholt beigesetzt zu werden.

Außerhalb der Krypta an der Regniet kann man also die Gräber sehen und die Aufschriften auf den Grabsteinen lesen. Die beiden Schwestern sind beide dort begraben. Nicht neben einander: die Marie Christina neben ihrem Gatten, dem Fürsten Emmanuel Alfred zu Salm-Salm, 1916 gefallen im ersten Weltkrieg; die Schwester Isabelle Marie, zehn Meter davon entfernt, alleine.

R.I.P. steht am Ende: requiescat in pace. Mögen sie in Frieden ruhen








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Mittwoch, 12. September 2018
Bagatelle 322 - Lebendige Grabsteine (I)
Wie Sie vielleicht wissen, wohne und lebe ich an der Grenze. Gerade an der holländischen Seite. Weil die staatliche Trennung in Form einer offizielle Grenze heute im vereinten Europa keine Rolle mehr spielt, ist es kein Wunder, dass ich bei einer Radtour leicht in die Bundesrepublik gerate. So überrascht es auch nicht, dass ich unlängst die Regniet erreichte, ein Flecken auf der Landkarte nahe der grünen Grenze. Dort steht eine Grabkapelle wo die Mitglieder der hochadligen Familie zu Salm-Salm, wohnhaft in Anholt, beigesetzt werden.

Normal ist die Kapelle hermetisch abgeschlossen. Aber wie ich da vorbei radelte stand das Tor offen. ꞌWegen Putzarbeiten und sonstigen Arbeiten,ꞌ sagte mir der diensthabende Vorarbeiter der mir erlaubte rundum die Kapelle zu gehen und einige Bilder zu machen. Wie gerne hätte ich auch das Innere gesehen, was mir aber freundlicherweise verweigert wurde. Wegen Regeln der privacy versteht sich, und selbstverständlich habe ich mich daran gehalten.

Friedhöfe im Allgemeinen und auch solche rundum eine Grabkapelle sind Orte wo ich, komisch genug, gerne verweile. Nirgends wo anders singen die Vögel schöner und nirgends anders blühen die Feldblumen schöner. Auch und vor allem in der Stadt sind Friedhöfe stille Orte wo man angenehm zur Besinnung kommt.

Gerne sehe ich mir die alten Grabsteine an. Auch solche wo der Zahn der Zeit kaum Lesbares hinterlassen hat. Heute lese ich, wenn ich denn kann, die Namen und bei den Grabsteinen hinter der Grabkapelle die ich besuchte, waren diese alle versehen von prächtigen Beschreibungen und Titel. Die früher auf Schloss Anholt wohnhafte deutsche Hochadel wiederspiegelte sich in Stein geschnittenen Titel wie ꞌSeine Durchlaut Erbprinz zu So und Soꞌ, oder ꞌK. und K. Erzherzogin von Hier und Daꞌ.

Von einem dieser hochadligen Namen den ich auf einem Grabstein las, möchte ich Ihnen berichten. Es handelt sich um Isabelle Marie. Hier unten sehen Sie sie, ihn meine ich natürlich, den Grabstein. Die Geschichte dahinter ist so überraschend interessant dass ich dafür die nächste Bagatelle benutzen werde. So habe ich inzwischen Zeit mich zu beraten wie ich Ihnen das alles erzähle.





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Donnerstag, 23. August 2018
Bagatelle 321 - Niedersächsisch
Unlängst verstarb mein Buch-Freund Jan Navis. Er wohnte auf einem Bauernhof in unserer Nachbarschaft. Wir kannten uns vor allem wegen der Bücher. Jan sammelte und liebte das Buch, vor allem wenn es Prosa in der Volkssprache betraf. Nach seinem Tode fragte mich einer seiner Söhne ob ich etwas aus seiner großen Büchersammlung haben möchte. Natürlich mochte ich: ich wählte u.a. die gesammelten Werke in einem Band von Ernst Reuter. Das heißt: die erste Übersetzung in der niederländischen Sprache aus dem Jahre 1891.

Ich merkte sofort dass die plattdeutsche Sprache aus Mecklenburg um 1848, zu lesen auf Internet, und mein Dialekt aus 2018 immer noch viel Ähnlichkeit besitzen. Beide zwar Varianten der niedersächsischen Volkssprache, aber sehr entfernt durch Zeit und Raum. Als Beispiel der Anfang des ersten Kapitels in das Platt-düütsche von Reuter und meine Übersetzung in die niederländische ꞌnedersaksischeꞌ Fassung anno 2018. Wie sich die Gedanken und Worte gleichen!


Wo ok en starken Mann an 'ne Aukschon un en Gräfniß binah tau Grunn' gahn kann; un dat de Hunn' aewer 'n siden Tun springen. Dat en ihrlich Mann sin Letzt hengiwwt un nich vertwifelt, wenn hei sin Kind up den Arm nimmt un mit en Witten Stock in de Welt geiht.

Hoe ook een starken man an een boelhuus en an een begreffenisse bi-jnao te gronde kann gaon; en dat de hunde aover d’n laege hegge springt. Hoe een eerleken man ꞌt letste wat e hef weggef en niet vertwiefelt at e zien kind op d’n arm nemt en met een witten stok (baedelstaf) de welt intrök.

Dat was in dat Johr 1829 up den Jehann'sdag, dunn satt en Mann in de deipste Trurigkeit in 'ne Eschenlauw' in en ganz verkamenen Goren. Dat Gaud, wotau de Goren hürte, was en Pachtgaud un lagg an de Peen tüschen Anclam un Demmin, un de Mann, de in den käuhlen Schatten von de Lauw' satt, was de Pächter – dat heit, hei was 't bet dorhen west; denn nu was hei afmeiert, un up sine Haw'städ' was hüt Aukschon, un sin Haw' un Gaud gung in alle vir Winn'.

ꞌt Was op d’n 24sten juni 1829, op Sint Jan, toen een man in de diepste treuregheid in een prieeltjen van essenloof in een gans verkommen häöfken zat. ꞌt Landgoed waor ꞌt häöfken bi-j heuren was een pachtgoed en lag an de Peene tussen Anclam en Demmin. De man den in de koele schemme van ꞌt prieeltjen zat was de pachter – dat heit: hie was ꞌt tut now toe ewest – want hie was now failliet en op ziene boerderi-je was vandage boedeldag en zien have en goed ging now alle vier windrichtingen op.


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