Donnerstag, 8. Oktober 2020
Bagatelle 352 - Fall oder Kasus
An, in, auf, und zwischen
über, unter, vor und zwischen
gehen mit dem vierten Fall,
wenn man fragen kann: wohin?
Mit dem dritten gehen sie dann
Wenn man fragen kann: wo? oder wann?
Nur auf und über nehmen dann
fast regelmäßig den vierten an.


Für Sie, liebe Leser(innen), die von jung auf vertraut sind mit der deutschen Sprache, ist es kein Problem. Und für Sie, liebe Blogfreunde(innen), in Deutschland gebürtig, sei es in Ost- oder West, in der Schweiz oder Österreich, mit Deutsch als Muttersprache, auch nicht. Aber für uns, Ausländer und Außenseiter, deren Mütter uns eine andere Sprache gelehrt haben, ist und bleibt es ein ewigdauernde Frage. In diesem Fall: Genitiv, Dativ oder Akkusativ? Das Fall-oder-Kasus-Problem also.

Der Deutschlehrer in der Sekundarstufe hat uns – niederländischen Schülern mit wenig Ahnung – empfohlen Verse oder Eselsbrücken zu lernen, und zwar auswendig, und diese ständig und dauernd zu üben und zu wiederholen. Es sei die einzige Methode. Und mit ‘dauernd’ meinte er ‘lebenslänglich‘.

Mindestens zwei Gründe gibt es welche die Fall-oder-Kasus-Frage für uns so schwer machen. Erstens sind die Fälle in der niederländischen Sprache und Grammatik schon vor langer Zeit abgeschafft worden. Die Behörden fanden sie schwierig und nicht unbedingt notwendig. Zweitens fehlt – unseres Erachtens – oft die Logik. Ein Beispiel: Können Sie mir bitte erklären warum der Satz ‘Ich grüße dich‘ richtig und der Satz: ‘Ich gratuliere dich‘ falsch ist? Mein Deutschlehrer würde sagen: “Gratulieren geht nur mit Dativ. Warum, weiß ich auch nicht.“

Trotzdem, ich liebe die deutsche Sprache; auch gerade wegen den Fällen. Sie bringen etwas das (was?) unserer Sprache fehlt. Schwierig, das schon, aber nicht unüberwindlich. Und wenn nichts mehr geht besuche ich meinen treuen Großen Duden (Hauptschwierigkeiten).

Um Ihnen zu beweisen dass mit meinem Langzeitgedächtnis nichts besonderes los ist, nenne ich zum Schluss noch einmal die vor Jahren auswendig gelernte Eselsbrücke zum vierten:

durch, für, ohne, um,
entlang, bis, gegen, und wider
gehen mit dem vierten Fall.
Ohne Zweifel. So ist es.



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Donnerstag, 1. Oktober 2020
Bagatelle 351 - Pferdeverstand
Vor vielen Jahren saß ich mal mit einer Gruppe Studenten an der Universität zu Nimwegen zusammen. Wir diskutierten die Frage ob das zweifellos kluge Verhalten vieler Tiere eine Sache sei von Instinkt oder von Intelligenz. Oder von etwas komplett Anderem. Ich erzählte damals die folgende Geschichte.

"Wie ihr wisst, wohn ich auf einem Bauernhof irgendwo auf dem niederländischen Platten Lande. Mein Nachbar, ein kleiner Bauer, fährt jeden Tag die Milch seiner Kühe und die einiger Nachbarsbauern in die Molkerei im Dorf. Damit erhöht er sein Verdienst einigermaßen.
Immer dieselbe Prozedur und immer derselbe Weg. Morgens lädt er die vollen Milchkannen auf seinen Wagen; mittags kommt er zurück mit leeren Kannen. Morgens ist der Wagen schwer und vollgeladen: darum geht der Fuhrmann neben den Wagen um sein Pferd zu entlasten. Mittags sitzt er auf dem Wagen wo er oft duzelig vor sich hin schaut und manchmal sogar einschläft. Seinem Pferd macht das nichts aus. Es kennt den Weg und weiß genau an welcher Stelle es halten muss um Milchkannen auf- oder abzuladen. Wie und wo hat es das gelernt?"

Das Pferde in jedem Fall einige Formen von Intelligenz besitzen entlehne ich einer wirklich wahr geschehene Geschichte aus meiner eigenen Bauernfamilie. Die Geschichte spielt in den letzten Kriegsjahren, so um das Frühjahr 1945. Draußen herrschte Kriegsgewalt. Bauernarbeiten auf dem Felde waren wegen den Fliegerangriffen lebensgefährlich. Mein Großvater hat uns die Geschichte erzählt.

Eines Tages musste der Haferacker gepflügt werden. Weil die wirklichen Bauer, mein Onkel Johan und sein ältester Sohn, inhaftiert waren wegen Verweigerung der Zwangsarbeiten, mussten die jüngeren Söhne Frits und Hans die Arbeit auf dem Hof machen. So auch das Pflügen des Haferlandackers. Sie benutzten die Intelligenz ihres Pferdes.

An beiden Seiten des Ackers lag ein tiefer Graben, wo man Deckung suchen konnte für die Angriffe der Jabo’s und andere Flieger, die damals tieffliegend schossen auf alles was sich drunten auf Erde bewog. Einer der Jungs stellte das Pferd samt Pflug in der ersten Furche. Das Pferd dachte nicht lange nach, wusste was zu tun, und zog den Pflug – also eine neue Furche schaffend – nach der anderen Seite des Ackers. Dort fing der andere Cousin das Pferd auf, drehte es um (auch samt Pflug), wonach das Pferd pflügend zurück lief. In der Zeit wo das Pferd den Acker pflügte verkrochen sich die Jungens im Graben.

Das Pferd, dieses Pferd muss man sagen, hatte die Intelligenz und Fähigkeit eine gerade Furche zu pflügen. Alleine. Ohne dass ein Mensch ihm mit dem Zügel den Weg weist. Ist das nicht intelligent?


Das schöne Bild eines Pferdeauges stammt von Margot Pouw



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Montag, 3. August 2020
Bagatelle 350 - Hundertjaehriges Abitur
Vorigen Monat – Juli 2020 – war es hundert Jahre her, daβ mein Vater sein Abitur gemacht hat. Und zwar an drei sich folgenden Tagen, zwischen dem 21. Und 22. Juli 1920. Und wo? An der Rijks Höhere Bürger Schule (RHBS) in Winterswijk, eine Kleinstadt irgendwo in den östlichen Niederlanden. Er war der einzige Bauerssohn in der weiten Umgebung der diese Schule besuchen durfte. Nach fünf Jahren endlich ein Abschluss.

Aus den Unterlagen, die er sich damals und wir uns heute glücklicherweise aufbewahrt haben, kann man Interessantes ableiten. Zum Beispiel: wie sah die schriftliche Deutschprüfung aus?

Phase 1. Der Vorsitzende begrüβt die Kandidaten; er meldet dass die Zeit welche ihnen zusteht 2½ Stunden beträgt.
Phase 2. Jede(r) Abiturient(in) bekommt einen Text in niederländischer Sprache, mit der Bitte sich diesen Text gut zu merken. Das Aufschreiben von wichtigen Notizen ist strengstens verboten. Nach zwanzig Minuten wird der Text eingenommen.
Phase 3. Die wirkliche Aufgabe der Abiturienten ist nun die gelesene Geschichte schriftlich nachzuerzählen und zwar in fehlerfreiem Deutsch. Wenn möglich zu vollständigen. (Dafür gibt es wahrscheinlich Bonuspunkte.)

Mein Vater liest die Geschichte eines Krimiautors – Titel: der Schriftsteller und der Dieb - dem es an wirkliche Horrorideen mangelt. Gerade rechtzeitig tritt ein Dieb in die Wohnung. Dieser gibt dem Schriftsteller brauchbare, realitätskonforme Ratschläge.
Er, mein Vater, schreibt eine Art Zusammenfassung der Geschichte. Ich weiß nicht, ob er die vollen 2½ Stunden dafür benötigte. Ich weiβ wohl aber, dass die Examen Kommission sehr zufrieden war. Auf einer Skala von 1 bis 10 (10 = hervorragend, ausgezeichnet) bekam er die Note 9.

Sein Sohn (ich selber also) hat Dutzende von Prüfungen und Examina bestanden. Auch Deutschprüfungen. Aber niemals mit einem so hervorragenden Resultat.




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Sonntag, 26. Juli 2020
Bagatelle 349 - Frohe Grenzgeschichten
Neulich habe ich Ihnen erzählt von den grenzüberschreitenden Aktivitäten welche eine Projektgruppe mit Namen 'Dinxperwick', bestehend aus Mitgliedern aus Suderwick (D) und Dinxperlo (NL) zusammen organisieren. Lesen Sie eventuell nochmal die Einzelheiten nach in den Bagatellen 343 (Februar, 2020) und 347 (Juno, 2020). Das Projekt nennt sich feierlich: 'Heimat und Zukunft gestalten an der Grenze'.

Jetzt werden diese Grenzaktivitäten auch von ganz oben wahrgenommen und belohnt! Am kommenden 6. August diesen Jahres wird der Projektgruppe Dinxperwick den ersten Heimatpreis von Nordrhein-Westfalen überreicht! Und zwar höchstpersönlich von der Frau Minister Scharrenbach, Minister für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstelling in NRW. Aus nicht weniger als 179 Projekten (alle Gewinner in ihren Kreisen, Städten und Gemeinden) bekam das Dinxperwick Projekt den ersten Preis. An dem Ehrenpreis ist ein Geldbetrag van 10.000 Euro verbunden. (Vorher war das Dinxperwick Project schon Sieger im Kreis Borken.)

Auf dem Bild sehen Sie zwei stolze Mitglieder der Dinxperwick-Projektgruppe. Es sind der Herr Diersen (NL) und der Herr Hoven (D). Die beiden Herren stehen in Deutschland vor der Michaelskirche in Suderwick. Links in der Ecke sehen Sie einen uralten Grenzstein mit dem Wappen der niederländischen Provinz Gelderland. Der Fotograf steht also in Holland. Beide Herren tragen ihre tägliche (Arbeits)kleidung. Am 6. August werden sie sich wahrscheinlich in einem feierlichen Gewand hüllen.

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Samstag, 27. Juni 2020
Corona-Grenzgeschichten
Corona-Grenzfälle

In diesen Corona-Zeiten gibt es bei uns an der deutsch/niederländischen Grenze wegen der unterschiedlichen Maβnahmen merkwürdige Zustände.

So las ich gestern folgende Geschichte in unserer Umgangssprache. (Ich lass sie unübersetzt: Sie werden sowieso den Humor verstehen.)


Bun net (= gerade) in Duutsland waezen tanken.
Wol ik betalen.
Zeg dat mense: Hier ist Maskenpflicht.
Dus ik vroege: Waor is den van ow dan?
Dat mense: Ich stehe hinter ein plexiglas.
Jao, möpken, ik ook. Maor dan an de andere kante.



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Freitag, 12. Juni 2020
Bagatelle 347 - Glück im Unglück
Das Bild hier unten ist vor einigen Tagen gemacht worden. Sehr wahrscheinlich war ein Blitz die Ursache dass dieses Haus in Feuer geriet. Der Bewohner war nicht zu Hause und auβer Sachschaden gab es keine Verwundete oder sogar Tote. So weit das Glück im Unglück.

Nein, so weit ist die Geschichte noch nicht. Den die weiteren Umstände sind sehr interessant. Das brennende Haus steht in der Ortschaft Suderwick, einem Teil der Stadt Bocholt (i.W./NRW) die zehn Kilometer weiter liegt. Suderwick ist gleichsam ein Ort mitten auf der Landesgrenze zu den Niederlanden. Der niederländische Ort an der anderen Straβenseite heißt Dinxperlo. Der Hellweg trennt beide Länder. Seit eh und je bestehen zwischen beiden Ortsteilen die besten Beziehungen. So auch bei der Bekämpfung eines Feuers.

Als der Blitz einschlug und das Haus zu brennen anfing, war die Feuerwehr aus Dinxperlo zu erst an der Unglücksstelle. Sie fing sofort mit den Löscharbeiten an. Kurz danach arrivierte auch die Suderwicker Feuerwehrbrigade und zusammen kāmpten sie gegen die Flammen. Nach einiger Zeit wurde auch die Bocholter Feuerwehr hinzugerufen.

Ein Glück, diese landesübergreifende Zusammenarbeit, finden Sie nicht auch? Nicht nur in schweren Coronazeiten. Die sonstigen Obrigkeiten sollten sich daran ein Beispiel nehmen.


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Samstag, 16. Mai 2020
Bagatelle 346 - Eisheiligen
Sind sie Ihnen auch begegnet? Wahrscheinlich schon, denn die Nächte zwischen dem 11ten und dem 14. Mai diesen Jahres waren doch ziemlich kalt. Ich rede von den vier Eisheiligen: mit Namen Mamertus, Pancratius, Servatius und Bonifatius. Sie feierten, einer dem anderen folgend, in dieser Woche ihren Jahrestag. Es scheint dass man in Bayern sogar noch eine Fünfte Eisheilige hinzugefügt hat: die fromme und kalte Sophie aus Rom.

Eisheiligen, ein guter Name. Bei uns war jedenfalls in diesen Tagen der Nachtfrost nicht weit weg.

Dieses Nachdenken über kalte Mainächte und andere alten bäuerlichen Wetterregel brachte mich bei zwei kleinen hübschen Stichen welche Rembrandt uns hinterlassen hat. Frühmorgens schweifend durch die Wiesen rundum die Stadt Leiden traf er zwei Vorbei Gänger die sich übers das kalte Wetter unterhielten. Der eine behauptete, dass es seiner Ansicht nach "grausam kalt" war (vinnig koud), während der andere das schwer verneinte (das niet!).

In unseren Tagen wurde man diesen Dialog wie folgt zusammenfassen können:
A: "Schlimm kalt, nicht?"
B: "Du Angeber!"


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Dienstag, 28. April 2020
Bagatelle 345 - Social distance
Wir leben hierzulande in einer anderthalbmeter Gesellschaft. Man bittet uns allen beim Treffen eines Nachbars mindestens 1½ Meter Abstand zu bewahren; wegen des Coranavirusses versteht sich. Social distance heißt so etwas: wir benutzen ein Fremdwort weil wir fast nichts von Covid-19 wissen und verstehen. Bei Ihnen geht man mundschutzgewaffnet in den Omnibus oder in den Laden (weil einige Virologen es für angebracht halten), bei uns ohne, weil einige andere Virologen dem Nutzen bezweifeln.

Unlängst, während einer Radtour, kam bei mir die Frage auf, ob (Nutz)Tiere Corona tragen und sogar übertragen. Chinesische Fledermäuse schon, aber auch niederländische Hunde oder Katzen? Sollte man nicht lieber auch Tieren raten sich sozial distanziert zu benehmen?

Wenige Kilometer weiter sah ich eine köstliche Reaktion. Eine Herde Kühe hatte sich zusammengetan um geruhsam mit dem wiederkäuen anzufangen. (Es sind Jersey’s: liebevolle Biester, welche zwar weniger Milch geben als ihre schwarz/weiß oder rot/weiß gefärbten Artgenossen, dafür aber wohl mit hoher Qualität.) Offenbar genießen sie diese Stunde des eng Zusammenseins, jetzt wo es noch kann.


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Montag, 9. März 2020
Bagatelle 344 - Denken, nachdenken, gedenken, feiern
Bei uns in den Niederlanden wird an zwei Tagen gedacht und nachgedacht. Am 4. Mai werden die Opfer des Zweiten Weltkrieges gedacht und am nächsten Tag, dem 5. Mai, wird die Befreiung, das Ende des Zweiten Weltkrieges gedacht und gefeiert.

Wenn wir gut rechnen ist das dieses Jahr zum 75. Male der Fall. So lange ist’s schon her, dass wir, wohnhaft in einem Dorf wo die Landesgrenze quer hindurch läuft, feiern und gedenken.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Wie sonst ist es möglich, dass jetzt an beiden Seiten erinnert, gedacht und gefeiert wird.
In meinem Dorf ist im örtlichen Heimatmuseum eine Ausstellung eingerichtet worden mit Bildern und Geschichten aus früheren Kriegszeiten wo die beiden Länder durch einen schwer bewachten Stacheldrahtzaun von einander getrennt waren.
Die Kommission welche alles geregelt und vorbereitet hat besteht aus Personen beider Länder. Und wissen Sie wo die Ausstellung feierlich eröffnet wird? In der katholischen Michaelskirche an der deutschen Seite der Grenze.

Dem Bagatellen Titel muss ein Beiwort hinzugefögt werden, nämlich das Wort ꞌzusammenꞌ. So ist es. Zusammen denken, nachdenken, gedenken und feiern. Wir feiern zusammen die Freiheit.





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Mittwoch, 12. Februar 2020
Bagatelle 343 - Grenzüberschreitender Chorgesang
Bagatelle 343 - Grenzüberschreitender Chorgesang


Nicht nur politische Parteien kennen einen doppelten Vorsitz: zwei gleichwertige Vorstandsmitglieder die sich die Präsidentschaft teilen.
Auch Gesangsvereine kennen das Phänomen. Sehen Sie sich nur das Bild unten an. Sie sind beide Vorsitzende(r) eines Gesangvereins mit Namen "Vision".

Einige Fragen tun sich auf. Zum Beispiel: Wieso hat ein Gesangsverein einen englischen Namen und wieso heißt er ꞌVisionꞌ das eher auf etwas visuelles als auf etwas auditives ansteuert? Kann man überhaupt grenzüberschreitend singen?
Wie auch immer, der Chor hat etwas sehr Besonderes. Nämlich: die Mitglieder kommen aus zwei Ländern: Deutschland und die Niederlande. Und der Chorrepertoire besteht aus Liedern in verschiedenen Sprachen.

Hier unten sehen Sie auch das Namenschild des Ortes von woher die Chormitglieder stammen: Dinxperwick. Das ist aber ein nicht bestehender Ortsname. Dinxperwick ist quasi eine Zusammenführung der tatsächlich bestehenden Ortsnamen Dinxperlo (NL) und Suderwick (D). Die Landesgrenze verläuft quer durchs Dorf und die Bewohner beider Seiten haben sich immer gut verstanden. Daher ist es kein Wunder dass Vision ein grenzüberschreitender Gesangsverein ist. Mehr noch, ein Beispiel für gelungene inter-europäische Zusammenarbeit.

Es geht eben doch: Nicole (NL) und Edmund (D) teilen sich den Vorsitz. Edmund vertritt den Chor nach Außen und Nicole bemüht sich um den inneren Zusammenhalt. Grenzübergreifende Zusammenarbeit mit schönem, grenzüberschreitendem Chorgesang.





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Freitag, 10. Januar 2020
Bagatelle 342 - Doppelte Identität
Wir wissen, dass es früher mal das doppelte Lottchen gab. Und heutzutage gibt es Leute mit einer doppelten Staatsbürgerschaft. Aber, wie ich erfuhr beim nachstöbern in einer alten Truhe, es gibt auch Leute mit einer doppelten Identität.

Der Identitätsbeweis den ich fand zeigt nämlich zwei vollkommene Unterschriften, sowohl der des Herausgebers und der des Empfängers. Wie ist das sonst zu verstehen? Welche Form von Defraudation sind wir hier auf der Spur? Wer hat hier versucht die ganze Obrigkeit zu verführen?

Das Rätsel ist auf schneller und deutlicher Weise zu erklären. Es ist die Identitätskarte meines Vaters. Herausgegeben im Jahre 1940, im Krieg also, in dem Grenzdorf Dinxperlo, gerade an der niederländischer Seite der Grenze, wo mein Vater auf dem Gemeindeamt tätig war.

Die damalige Besatzungsmacht hatte es für ratsam gehalten allen Niederländern zu verpflichten einen Identitätskarte bei sich zu tragen.
Daher auch die Anweisungen bei den Angaben in zwei Sprachen.
Die Dinxperloer Einwohner konnten sich im Rathaus so eine Karte besorgen, wobei sowohl der diensthabende Beamte als der mehr oder weniger glückliche Empfänger seine/ihre Unterschrift an der richtigen Stelle platzierte.
Weil mein Vater selber auch so eine Karte benötigte, sehen wir zwei identische Unterschriften. Er gab sich selber die Karte.

Im der alten Truhe fanden wir auch noch eine Brille. Seine Brille? So eine mit dunklen, schwarzen Rändern? Offenbar nicht, sagte mir meine Frau später, es sei die Brille ihrer Großmutter gewesen. Ihre Identität steht zweifelsfrei fest. Auch ohne Karte.





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Sonntag, 15. Dezember 2019
Weihnachtsgruß

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Montag, 2. Dezember 2019
Bagatelle 341 - Radeltax
Doch, die Obrigkeit versucht auf aller Art uns Geld aus der Tasche zu entwenden. Das ist in meinem Lande so, und wahrscheinlich bei Ihnen ebenso. Wenn nicht durch ein fälliges Bußgeld bei irgendeinem geringen Verstoß gegen die Gesetze, dann durch die Lohnsteuer oder durch die Erbschaftssteuer. Nur in Wahljahren verspricht uns die Behörde die Steuern diesmal nicht zu erhöhen, aber wer‘s glaubt ist selig.

Früher war das nicht anders. Bei uns gab es sogar einst eine Hundesteuer. Jeder der ein sonstiges Haustier besaß wurde aufgefordert Hundesteuer zu zahlen. Ich weiß noch dass Gemeindebeamte von Haus zu Haus gingen um zu erfahren wer solch ein braves Tierchen sein Eigenes nennen konnte. Als der Beamte bei uns auf den Hof kam und mich um Hundesteuer bat, antwortete ich wahrheitsgetreu: "Nein, lieber Herr Hundesteuerbeamte, einen Hund hab’ ich nicht. Keinen kleinen Dachshund und auch keinen großen Schäferhund." Da kam plötzlich unser Fokkie um die Ecke, ein fröhlicher Vielrassenhund, um sich zu erkundigen wer das wohl war der da so laut schrie. "Nein," sagte ich zu dem Beamten, "dieser Hund gehört meinen Schwiegereltern. Fragen Sie sie doch selber!"

Die Neigung aus allem menschlichen Treiben Steuern zu fordern kann sich noch steigern. So gab es bei uns vor vielen Jahren, ungelogen, eine Fahrradsteuer. Jeder der sich eines Fahrrades bediente um sich von einem zum anderen Ort zu begeben musste die Fahrradsteuer zahlen.
Ein Beweis dass man die Steuer bezahlt hatte gab es auch. Es war ein metallenes Plätzchen das man um die Fahrradstange biegen konnte.
Zu Hause haben wir noch solch einen Streifen aufbewahrt - mit Aufschrift Rijwielbelasting (= Fahrradsteuer) - so dass ich es Ihnen zeigen kann. Hierdurch war es möglich dass mein Schwieger(groß)vater ohne sich Sorgen machen zu müssen sich radelnd ins Dorf begeben konnte um dort Besorgungen zu erledigen. Lange ist’s her; es war im Jahr 1934/35.


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Freitag, 25. Oktober 2019
Bagatelle 340 - Die Drei von der Rheinfähre
Neulich, an einem trüben Herbstnachmittag, nach einer gelungenen E-bike-fahrt, sah ich sie. Die drei Freundinnen. Es war just an der Rheinpromenade in dem schläferischen Rheinstädtchen Rees (Rees am Rhein, sagen die stolzen Einwohner). Dort wo sonst die Rheinfähre den Vater Rhein nach Reeserschanz überquert.
Zuerst tappte ich einigermaßen im Dunkeln Was aber damit zu tun hatte, dass ich gegen die nicht-anwesende Sonne fotografierte. Besser wäre’s vielleicht, wenn ich die drei von der Gegenüberseite näherte, so dachte ich.



So gedacht, so getan. Und jawohl, jetzt konnte ich die drei erkennen. Es war die Molly, die sich ums andere Mal eine Zigarette anzündete; die Kathrin, die ich noch kannte weil sie dauernd und ununterbrochen von ihren Einkäufen im hiesigen Real redete und sich kein anderes Thema widmen wollte. Die dritte Person war mir unbekannt und fremd. Steif und starr stand sie da und hörte zu. Wie auch die anderen zwei auf sie einredeten, sie sagte kein einziges Wort. Keinen Ton, keinen Laut gab sie von sich. Merkwürdig, würde ich behaupten wollen. Oder, wie die Deutschen heutzutage völlig unpassend zu äußern pflegen: "Wahnsinn!"



Später erst kam die Lösung. Nachdem die Molly und die Kathrin sich verabschiedet hatten und abreisten (die eine Rheinabwärts Richtung Kleve, die andere stromaufwärts nach Wesel) blieb ich für einen Moment alleine mit der Amalie wie sie sich nannte. Sie gab zu ein Bild zu sein. Eine Statue, ein Standbild. Aus Metall/Kunststoff und wunderschön authentisch dargestellt. Kein Wunder dass wir (die Molly, die Kathrin und ich selber) darauf einfielen. Auch Sie, liebe Leserin und lieber Leser, wäre das passiert.

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